Paris-Roubaix Challenge 2018

Kleiner Bericht über mein Erlebnis – Die Paris-Roubaix – Challenge.

Im Herbst 2017 sagte ich mir, so nun bist du die L’Eroica in Gaiole-Toscana gefahren.
218km über die Strada Bianca mit dem Klassiker und Friktionsschaltung am Unterrohr.
Man sagt die Legendären Strecken wären die Mutter des Radsports, es war herrlich 🙂
Nun war also die Zeit gekommen, den Vater des Radsports kennenzulernen.

„PARIS – ROUBAIX !“

Zur Vorgeschichte von Paris-Roubaix, 1895 eröffnete das Velodrome in Roubaix, damals kam schon der Gedanke auf ein Rennen auszutragen das dort enden sollte. Die französische Radsportzeitschrift Le Vélo schickte den Fahrer Victor Breyer vor, der die Strecke per Velo erkunden sollte.
Gestartet ab Amiens, kam er völlig verschmutzt und durch gefroren in Roubaix an und entschloss zuerst das Rennen abzusagen. Nach einem warmen Band und einem guten Essen besann er sich jedoch es durchzuziehen.
Die erste Ausgabe des Rennens 1896 gewann dann der Deutsche Josef Fischer.

Damals war geplant das Rennen möglichst ohne Pavé zu fahren,
Denn die moderne läutete ein und das war der Asphalt.
Die ersten Streckenverläufe waren weitgehend ohne Pavés (belgische Blöcke) und nur kurz vor Roubaix gab es einige Sektoren welche die Fahrer aber zumeist über die Bürgersteige umfuhren.

Die heutigen Pavés sind schroffer und brutaler wie die damaligen Strecken.

Der heutige Klassiker Paris–Roubaix ist die Rekonstruktion einer Vergangenheit, die es nie gegeben hat.

Quelle :// https://de.wikipedia.org/wiki/Paris-Roubaix

Das Profirennen startet am Schloss in Compiégne, 80km vor Paris – COMPIÈGNE > ROUBAIX (257KM) . Von Paris aus wurde nur bis 1977 gefahren.
Die Strecke beinhaltet 54,5 Kilometer Kopfsteinpflaster in 29 Sektoren.

Strava Paris Roubaix Challenge

Die 29 Pavé-Passagen im Überblick (absteigende Reihefolge Richtung Ziel):

Sektor 29: Troisvilles – Inchy (2,2km) ***
Sektor 28: Viesly – Quiévy (1,8km) ***
Sektor 27: Quiévy – Saint Python (3,7 km) ****
Sektor 26: Viesly – Biastre (3 km) ***
Sektor 25: Biastre – Solesmes (0,8 km) **
Sektor24: Vertain – Saint-Martin-sur-Ecaillon (2,3 km) ***
Sektor 23: Verchain-Maugré – Quérénaing (1,6 km) ***
Sektor 22: Quérénaing – Maing (2,5 km) ***
Sektor21: Maing – Monchaux-sur-Ecaillon (1,6 km) ***
Sektor 20: Haveluy – Wallers (2,5 km) ****
Sektor 19: Wald von Arenberg (2,4 km) *****
Sektor 18: Wallers – Hélesmes (1,6 km) ***
Sektor 17: Hornaing – Wandignies (3,7 km) ****
Sektor 16: Warlaing – Brillion (2,4 km) ***
Sektor15: Tilloy – Sars-et-Rosières (2,4 km) ****
Sektor 14: Beuvry-la-Forêt – Orchies (1,4 km) ***
Sektor 13: Orchies (1,7 km) ***
Sektor 12: Auchy-lez-Orchies – Bersée (2,7 km) ****
Sektor 11: Mons-en-Pévèle (3 km) *****
Sektor 10: Mérignies – Avelin (0,7 km) **
Sektor 9: Pont-Thibault – Ennevelin (1,4 km) ***
Sektor 8: Templeuve (0,5 km) **
Sektor 7: Cysoing – Bourghelles (1,3 km) ***
Sektor 6: Bourghelles – Wannehain (1,1 km) ***
Sektor 5: Camphin-en-Pévèle (1,8 km) ****
Sektor 4: Carrefour de l’Arbre (2,1 km) *****
Sektor 3: Grusson (1,1 km) **
Sektor 2: Willems – Hem (1,4 km) ***
Sektor 1: Roubaix (0,3 km) *

Die Karte

Die Anfahrt bis Troisvilles ist ohne Pavé, ab da ist die Strecke identisch mit der Paris-Roubaix Challenge und wir Amateure fuhren somit den identischen Kurs, alles war bereits aufgebaut für das Profirennen. Die Tor zu Beginn und zum Ende, der 29 Pavé Sektoren und auch die Zeitmessung war aktiviert für uns. Eine Gesamtzeit mit Rangliste gab es nicht. Aber seit GPS und Strava brauch man das dann auch nicht mehr 😉 Eine persönliche schnelle Zeit geht also immer.

06.04.2018 Busigny

Nun am 06 April 2018 war es dann soweit ich war in Busigny angekommen. Es war ein wunderschöner Frühlingstag. Ich ging als erstes zum Salle Des Fêtes (Veranstaltungsraum des Dorfes ). Dort sollte es morgens ab 6:30 die Startnummern geben.

Dixiklos und Pissoir- Kleeblätter waren schon aufgebaut. Vor Ort war die Firma Golazo noch mit dem Aufbau des Events beschäftigt. Ich erkundigte mich nochmal und kam direkt freundlich mit einem der Mitarbeiter ins Gespräch, ihn würde ich dann am Abend auch wiedersehen. Ein netter junger Brasilianer kam auf mich zu und freute sich total und erzählte das er mit dem Vater und der Mutter angereist sind. Der Vater trainiert eine Rad-Mannschaft in Brasilien. Sie waren absolut begeistert von den Europäischen Radsport Klassikern. Er war sehr interessiert an allem und stellte mir noch seine Eltern vor. Ich wünschte ihnen viel Glück für morgen.
Dann noch schnell ein paar Fotos gemacht und weiter durch das Örtchen mit der Spiegelreflex-Kamera hoch zum Startort an dem Mairie, 39 Rue Pasteur. Dort genoss ich dann erst mal einen guten Café in der Le Bo`Bar . Dort sollte auch am nächsten morgen der Start sein.
Die Anwohner waren alle schon fleißig bei der Arbeit und was soll ich sagen?
Warum sind die Menschen alle so super nett hier?
Ist Deutschland oder viel mehr Köln so abgestumpft?
Ich war bester Dinge, nur ein paar Brocken Französisch im Wortschatz und meist habe ich die Menschen auf Englisch angesprochen, aber ich wurde ich stets freundlich begrüßt.

Nach dem ersten Eindruck vom Ort Busigny bin ich dann erst mal in meine Pension gefahren, auch dort fühlte ich mich sehr willkommen. .
Nachdem ich alles ausgeräumt hatte und das Scott Rennrad für morgen früh startklar gemacht hatte bin ich dann nochmals nach Busigny gefahren.
Am Mairie (Rathaus) war ein Zelt aufgebaut. Die Einheimischen hatten sich ein Fassbier angeschlagen und luden mich direkt ein. Aber ich musste leider absagen und habe mich mit einem Becher Cola begnügt.

Es gab dort von der Firma Golazo für alle Helfer, Caps, Regenjacken, T-Shirts in schwarz mit roten Roubaix Logo und Schriftzug aufgedruckt.
Im Zelt wurde ich dann gefragt ob ich mit den Helfern etwas Essen möchte.
Ich war begeistert und setzte mich mit 2 Franzosen wobei einer zum Glück Englisch sprach in die alte Schule und es gab eine Mega-Portion Spaghetti Carbonara. Danach noch Früchte und Kaffee.
Bei guter Laune verging die Zeit wie im Flug. Wir erzählten noch den ganzen Abend, teilweise mit Händen und Füßen, die Jungs waren es dem Nachbarort und sind die Challenge bereits dreimal gefahren. Irgendwann war es 22:30, ich hatte eine Wampe kurz vorm explodieren, oje überfressen! Jetzt schnell noch einen Verdauungs-Spaziergang, die Luft war herrlich, Vögel gezwitscher obwohl es dunkel war. Der Frühling lag in der Luft.

Am Tag der Challenge 07.04.2018 Busigny

Morgens um fünf Uhr ging der Wecker!
Ich hatte gut geschlafen auch wenn es nur vier Stunden waren, aber mein Körper, die Autofahrt gestern so richtig fit fühlte ich mich nicht.
Also habe ich erst mal ein paar Fitness Übungen gemacht und dann eine warme Dusche genommen. Danach zuerst das Fahrrad einladen, es war stockdunkel hier draußen.
Um 5:30 gab es sogar schon das Frühstück, es war reichhaltig gedeckt und siehe da, noch mehr Verrückte.
Insgesamt waren es fünf weitere Teilnehmer, während wir uns unterhielten trank ich die dritte Tasse Kaffee und so langsam wurde ich wach.
Zwei frische Portionen vom Haus gemachten Quark bekam ich noch herunter, der Bauch war immer noch voll.
Dann ab ins Auto nach Busigny, alles war gepackt.

Über die Dörfer, die engen Heckenwege, die gelben Straßenlaternen führte mich das Navi zum Start ich wollte um 6:30 einchecken.
Doch was passierte dann! Die Landstraße nach Busigny war gesperrt!
Ein Wagen der Gendarmerie stand quer und eine Polizistin und ein Polizist verweigerten mir die Durchfahrt.
Ich zeigte ihnen die Startunterlagen, da war nichts zu machen. Sie sprachen nur französisch.
Ich Verstand nur das ich zwei mal links fahren sollte, dort wäre ein Parkplatz.
Ich fuhr dann in den Ort rein lud mein Rad aus und machte mich Startklar.
Dann erneut runter zur Landstraße, es war immer noch stockdunkel und 6C° .

Doch was nun?
Auch mit dem Fahrrad wurde mir nicht die Durchfahrt gewährt,
ich bekam einen Affen.
Mit geballter Faust in der Tasche und lauten Wiederworten fuhr ich durch die Ortschaft.
Ein Van mit Rennrädern kam mir entgegen, ich stoppte ihn.
Leider wussten sie auch nicht wo es zum Start geht.
Ich schaltete googlemaps ein und fuhr los, die Fahrt endete mitten im Acker!.

Na Klasse!!!

Ich war geladen und lies lautstark meinen Frust ab.
So ein verdammter Mist!
Dann ging die Irrfahrt weiter im starken Gegenwind über die offenen Felder, durch drei weitere Ortschaften.
Alle Zufahrten nach Busigny waren gesperrt, kein Erbarmen bei der Gendarmerie!
Im letzten Ort dann ein Haufen Autos und Radfahrer, keiner wusste wo es langgeht, wir fuhren zu fünft erneut in einen Feldweg.
Ein Gendarm hatte uns zuvor den Weg gezeigt.
Dann versuchte ich es erneut mit googlemaps, die anderen fuhren hinter mir her und ja wir sahen die ersten Helfer, sie winkten uns zu.
Die Hoffnung war schon fast gestorben.

Eine Gruppe von Engländern welche ich antraf, war auch stinksauer über die Organisation von Aso. Wir fuhren gemeinsam weiter.
Keinerlei Schilder die uns zum Start führten und warum die Gendarmerie uns Radfahrer nicht zum Start fahren lies, schleierhaft.
Nun war ich erleichtert, ich grüßte jeden der Helfer mit Bonjour, teilweise erkannten sie mich noch vor Vorabend.
Am Salle Des Fêtes angekommen zückte ich meinen Ausweis und holte die Startunterlagen.

Es war fast nichts los, Glück gehabt. Ich hing absolut hinter meinem Zeitplan, es waren bereits 7:10 Uhr.
Dann die Startnummer an den Lenker und noch eine auf das Trikot gepinnt, noch schnell ein Foto gemacht und rüber zum Mairie an den Start.

Ein Startbogen war aufgebaut und ein kleines Kamerateam filmte uns alle.
Es waren vielleicht 40 Leute dort und ich war einer der ersten Starter. Wo waren die 1500 Teilnehmer welche von Roubaix per Shuttlebus anreisen?
Aus der Umgebung von Busigny sollten ebenfalls 1500 direkt an den Start gehen. Nun ja mir war es recht so. Schön übersichtlich.
Ein älterer Herr mit braunem Jacket und lässig zurück gekämmten grauen Pomade Löckchen machte die Ansage mit einem Mikro. Der war absolut 70ties, cool und sicher auch Radsportler bei der Figur. Dann um 7:29 nahm er den silbernen Revolver vom Tablett und gab um 7:30 den Startschuss – Bäng!

Es ging los mit vierzig Leuten über die Feldern, die Sonne kam raus, leichte Nebelwolken standen über dem Gras und den Hecken der hügeligen, weitläufigen Landschaft.
Die Reifen rauschten die Ketten surrten, ein Traum!

Es ging fast direkt wieder an meiner Unterkunft vorbei nach Troisvilles.
Der erste Pavé Sektor 29, Dèbut de Troisvilles à inchy wartete bereits auf uns.
Und babababababarrrrrrrrrr ab ging es für mich, auf 28mm Reifen mit dem Scott Speedster 105 Alurenner von 2013. Ich merkte schnell wo es drauf ankam. Kette aufs große Blatt und Gas und alle Gelenke entlasten, nicht abstützen und Lenker fest im Griff.
Es lief verdammt gut, mit über 30km/h bis über 40km /h, über das meist abschüssige Pavè der ersten Sektoren. Ich weiß nicht wie oft ich gerufen habe, „pass left, pass right, à droite, à gauche, attention!“ Die Mitte des Pavès war beliebt, an den Kanten wurden die Steine meist uneben.
Sie waren durch die Traktoren in ihrer Fügung auseinander-gedrückt.
Neben dem Pavè konnte man teilweise auf abenteuerlich schmalen Rinnen fahren. Dort war aber auch die Gefahr gegeben, dass dort ein dicker Pflasterstein lag oder eine tiefe Senke oder ein böses Schlagloch lauerte. Volle Konzentration war angesagt.
Die ersten Pavés liefen geschmeidig. Eine Zeitlang fuhr ich in einer schnellen Gruppen mit wir waren bei knapp über 31km/h im Schnitt. Ein Fahrer aus Neuseeland fuhr neben mir, wir unterhielten uns einige Zeit. Er war extra angereist vom anderen Ende der Welt, Wahnsinn.
Irgendwann verlor sich die Gruppe, einige waren schneller auf den Paveś, andere rissen ab.
Bei Kilometer 50 gab es die erste Versorgung in der Ortschaft Verchain Maugre, es war nun 9:14Uhr.
Ich füllte meine Flaschen mit Wasser auf, machte Pinkelpause und schoss ein paar Fotos.

Dann ging es weiter, das Wetter war perfekt. Einige der Fahrer schlossen nun wieder auf.
Die Pavés wurde immer ruppiger, das Rad klapperte überall.
Irgendwie rätselte ich noch, sind es die Flaschenhalter? Vielleicht weil die Flaschen voll waren?
Egal, keine Gnade dachte ich mir, Augen zu und durch!
Eine Abfahrt genoss ich noch mit geschmeidigen 57km/h auf Asphalt, es war eine lange schmale Linkskurve in ein Örtchen herein. Dann kam erneut ein Pavé Sektor. Die Nummer 22 Quérénaing à Maing, es ging durch einen Hohlweg mit Schuss den Berg herunter 35-42km/h ,es war brutal, alles klapperte und schlug.
Plötzlich verlor ich die vordere volle Trinkflasche, ich bremste und lief über den Erdwall zurück.
Doch was war das? Mein Vorderrad klapperte hin und her.
Au Backe, der Schnellspanner hatte sich gelöst, ich hatte ihn noch am morgen kontrolliert und richtig fest gezogen. Da hat mir jemand einen Schutzengel geschickt. Das Vorderrad hing nur noch lose drin.
Durch die Ausfallsicherung an den Gabelenden, es sind zwei Nasen, wurde ein Herausfallen des Vorderrades verhindert. Der dicke Reifen und die Bremszange haben vielleicht auch noch geholfen. Ich war schockiert und auch erleichtert.
Ich knallte den Schnellspanner nun richtig fest, der Hersteller würde mich dafür schlagen.
Das sollten die Alu Ausfaller aushalten müssen.
Nun lief es geschmeidig weiter, dass Klappern war weg.

Nun hatte ich mir mittlerweile die Trikots und Rennräder der Fahrer eingeprägt welche immer wieder meinen Weg kreuzten. Ich versuchte dran zu bleiben und dort Gas zu geben wo meine Stärken waren. Das Feld dünnte sich zwischen den Pavè Sektoren zunehmend aus. Nur hinter den Pavè Zonen fuhr man noch hin und wieder an größeren Gruppen vorbei. Das Tempo hatte aber nachgelassen ich wollte nicht bummeln. Viele machten auch Pause nach den Pavè Sektoren, aber das gehörte nicht zu meinem Plan.

Entspannungsübungen konnte man während der Fahrt noch machen. Windschatten gab es dann bis kurz vor Ende eigentlich nur noch selten. Keine Gruppenbildung mehr möglich und auf den Pavès war es eh Schnuppe. Da habe ich lieber Abstand gehalten damit ich genug Sicht auf die Strecke hatte. Ein paar mal fuhr mir ein Hornochse vor die Füße, aber das ist ja Standard bei den Jedermann Geschichten.

Ein Ding habe ich noch in Erinnerung. Wir fuhren mit 30km /h in einer Reihe hintereinander auf dem Pavé es ging in eine Linkskurve. Ich hört bei meinem Vordermann die Felge schlagen.
Es musste ein Plattfuß sein. Ich rief noch von hinten „attention“ da fuhr er bereits in die Kurve und rutsche über das Vorderrad weg und überschlug sich auf dem Pflaster vor mir.
Ich konnte noch ausweichen und fragte ob er Hilfe benötigt, er lachte und rief mir was mit „pneus und ok“ zu.

Also weiter im Takt. Es ging durch unzählige Ortschaften im Zick-Zack, nur selten mussten wir anhalten, die Ordner hielten uns meist den Weg frei. Auf den Straßen kam nun der Autoverkehr hinzu und ab und zu fuhren wir gezwungener Weise Radweg. Bei Kilometer 100 um 11:30 Uhr, gab es nochmal eine Versorgungsstation in der Ortschaft Beuvry-la-Forét.
Ich kontrollierte diesmal mein Rad gründlich und siehe da, das Hinterrad war lose.
Der Schnellspanner hatte sich auch gelöst. Der bekam nun auch erst mal ordentlich Vorspannung. An meiner Lampe war die Steckverbindung durch die Rüttelei auf dem Pavé abgebrochen, auch der Akkublock rutschte nun trotz massiver Befestigung immer wieder ab.
Ich knallte alles nochmals fest.
Noch schnell ein paar Handyfotos gemacht, die Trinkflaschen aufgefüllt und gepinkelt. Die Armwärmer und das Kopftuch habe ich dann endlich auch ausgezogen, es waren bereits 20C°.
Die Beinlinge und Überschuhe wie auch das Thermoshirt musste ich anbehalten. Wohin nur mit dem ganzen Kram?

Weiter ging es über etliche Pavés die Händen brannten mittlerweile bei den Erschütterungen wie Feuer, die Hitze war heftig.
Die Speichen machten mittlerweile Geräusche als wenn sie kurz vor dem Finale wären.
Doch die Felge arbeitete richtig, die gekreuzten Speichen rieben aneinander.
Die Mavic CPX-22 mit Ultegra Nabe und 32 Speichen war die richtige Wahl.

Ich spürte eine Blase an der linken Hand, das brennen war heftig. Vor uns fuhr ein Auto auf dem Pavé wir kamen nicht vorbei, wir fluchten, irgendwann ballerten wir sehr knapp zwischen Auto und Stacheldraht auf dem völlig maroden Rändern des Pavés vorbei. Fucking-Shit-Car, es war ein Versorger, aber er nervte!

Eines der Highlights war die Fahrt vorbei an den Fördertürmen der Zeche Arenberg,
einen Zwillings Wasserturm habe ich auch noch gut in Erinnerung und viele unzählige andere schöne Gebäude und Kirchen.
Das Legendäre Pavé – Trouée d’Arenberg oder Tranchée d’Arenberg, zu Deutsch die Schneise von Arenberg, oft auch als Wald von Arenberg bezeichnet war wie angekündigt nass.
Leider durfte das erste drittel nicht befahren werden. Wir fuhren über einen Erdweg neben dem Pavé. Doch die letzten zwei drittel auf der Legende. Es war rutschig, hier war aufpassen angesagt. Nachdem mir das Vorderrad unkontrolliert abschmierte, klickte ich die linke Pedale aus. Das matschige Stück habe ich dann mit Obacht absolviert, auf dem trockenen Teil lief es dann wieder schneller. Aber es war schon knackig auf den alten Blöcken zu fahren. Kurz noch ein schneller Handyshot, es war nun 10:21 Uhr und weiter ging es.

Zum Schluss wurde es dann immer quälender, man denkt es würde kein Ende nehmen. Die Hitze von 25C° und die teilweise dicke Kleidung gaben den Rest dazu. An den letzten drei Pavé Sektoren habe ich dann nochmal Luft aus den Reifen gelassen, der Druck war sicher um 1.5 bar angestiegen, seit heute morgen. Am Anfang einer der letzten Sektoren ballerte noch ein CX mit mindestens 35mm Reifen an mir vorbei und wollte den Harten markieren. Nur auf der Hälfte des Sektors verließen dem Fahrer die Körner, ich zog vorbei. Mein Plan war konstant zu bleiben. Drei Gels und einen Proteine Riegel habe ich verbraucht auf der Strecke, alles lief nach Plan.
Ich habe es rechtzeitig bemerkt wann mein Körper Nachschub benötigte.

An roten Ampeln musste gehalten werden, wer durchrauschte der wurde disqualifiziert.
Genug Zeit also zur Erholung, es standen überall Helfer mit Trillerpfeife an den Kreuzungen und hatten auch ein Auge auf uns. Auch das hat meine Zeit etwas geschmälert wie auch zum Schluss die Rush-Hour in Roubaix, mit unzähligen Ampeln.
Dafür konnten sich 6:14 Bewegzeit sehen lassen. 6:44 war die verstrichene Zeit.
In Roubaix bin ich nachher über eine Wiese geballert, es war Stau, nichts ging mehr.
Da war dann auch meine Geduld zu Ende. Bürgersteig Wiese und Kette rechts durch die Blechlawine.

Dann in das Velodrome rein und überall jubelnde Menschenmassen „Allez-Allez-Allez“

Und ja – es jubelten uns während der ganzen Fahrt Menschen zu – Kinder mit Blumen oder Fähnchen in der Hand, auch auf den Pavés, mitten im Feld – So freundliche Menschen. „Viva la France“

Im Velodrome gab ich dann nochmal Kette und fuhr bis auf die Hälfte der Steilbahnwand hoch, meine verschmutzten Reifen rutschten leicht ab bei 30km/h.
Mit einem Bunnyhop überflog ich um 14:12 mit 37km/h die Zeitmessung.

WOW – ich hatte es geschafft.

Bei sommerlichen Temperaturen und knalleblauen Himmel. Roubaix 2018!
Am Ende des Velodroms bekam ich dann von einem hübschen Mädel die Medaille um den Hals gehangen, sie gratulierte mir.

Roubaix-Roubaix-Roubaix !!!

Am liebsten hätte ich noch ein paar Runden durchs Velodrome gedreht vor Freude. Aber nun ging es auch nach einer Stunde Velodrome Kirmes und etlichen Fotos wieder zurück nach Busigny.

Ich fuhr durch das Montmartre von Roubaix, etliche Kilometer mit dem schweren Pokal im Versorgungsbeutel. Der Pokal ist ein Pavéstein der auf einer Holzplatte montiert ist, bis zum Eurotéléport Roubaix.

Von da aus waren es noch vierzig Minuten in der von der Sonne aufgeheizten Straßenbahn bis Lille, eine junge Frau spendierte mir ihr Wasser. Im Bahnhof Lille-Flandres angekommen ging der Zug nach Caudry erst um 18:07 Uhr.

Also Zeit genug für einen Cappuccino, eine Belgische Waffel und eine Riesen Platte Pommes mit Französischer Mayonaise + Cola zum runterspülen in einer Bude vor dem Bahnhof. So habe ich den Bahnhof Lille-Flandres inklusive dem Vorplatz auch mal erforscht. Der Anschlusszug in einem verlassenen Nest hatte eine Stunde Verspätung ich kam ins Gespräch mit den Leuten alle waren Tiefen entspannt und Nett. Wir unterhielten uns, sie gaben mir noch jede Menge Tipps was ich mir ansehen könnte und was die traditionelle Küche angeht.
Um 19:27 kam ich dann endlich in Caudry an, dort wurde ich von dem Gastgeber der Pension abgeholt.
Nachdem ich mein Auto abgeholt hatte und das Rennrad untergestellt hatte. Ging es erneut nach Caudry um 22 Uhr war fast alles geschlossen. Ich hatte einen Bärenhunger. Als ich an einer Pizzeria die Türe öffnete sagte man mir, dass Restaurant sei in drei Minuten geschlossen.
Dann fragten sie mich ob ich Rad gefahren sei? Ich hatte immer noch die Klamotten an. Der Pizzabäcker war aus Italien und hörte begeistert zu, sie luden mich auf eine Cola ein und ich erzählte meine Story über die Tour, er backte mir noch eine Pizza Neapolitan, die war der Hammer und schmeckte so gut wie seit langen keine Pizza mehr.
Die Rückfahrt war anstrengend, aber…

ich habe mich mit den Franzosen so dermaßen gut unterhalten, dass es mir gar nicht auffiel wie die Zeit verging.

Es war ein Erlebnis !

Und ja gerne wieder. !

Schreibe einen Kommentar