Triple succès malgré l’insomnie – Vlaanderen, Roubaix, Liège-Bastogne-Liège –

Triple succès malgré l’insomnie – Vlaanderen, Roubaix, Liège-Bastogne-Liège –

Der Triple Erfolg – Die Frühjahrsklassiker des Radsports standen schon lange auf meiner To-do Liste.

Das war also der Plan und das es so heftig werden würde, bei mir aufgrund einer schlaflosen Nacht …- das Sprichwort , Quäl dich du Sau (frei nach Udo Bölts Team-Telekom 1997) passte wie die Faust aufs Auge bei L-B-L.

Der Freitag vor der Challenge verlief für mich wenig entspannt ich konnte erst am Abend meine Sachen packen und gegessen hatte ich auch noch nichts.
Beim Bio-Bauern habe ich auf dem Heimweg dann noch ein Hähnchenbrustfilet ergatterten können. Ein paar gute Proteine sollten für den morgigen Tag nicht Schaden.
Also den Herd angeworfen und das Hähnchen knusprig braun in Thymian-Honig-Curry Soße angebraten. Dazu gab es Dinkelnudeln und die Salbeimöhren vom Vortag.
Nach dem Motto, was du isst drückst du auch auf die Pedale.
Mit 21 Uhr hatte ich allerdings schon einen recht späten Zeitpunkt für mein Essen gewählt.
Die Küche musste schließlich auch noch in Ordnung gebracht werden.
Ein paar Dinge fielen mir dann noch ein die ich vergessen hatte zu packen, da zeigte der Kleine Zeiger bereits 12.
Dann habe ich den Wecker auf 3:30 gestellt und bin ab ins Bett.
Die Wohnung war schön aufgeheizt und ich auch, durch das gute Essen und die späte Aktivität .
Ich machte alle Fenster auf, doch von draußen kam kein Luftzug herein. Ich schaute auf das Thermometer, 17C° waren es noch, in der Nacht und das mitten im April.
Ich drehte mich von links nach rechts und von rechts nach links. Es ging endlos so weiter. An Schlaf war nicht zu denken – verdammt.
Der Radiowecker zeigte 4 Uhr morgens als ich in die Küche ging und die Nachbarn wahrscheinlich mit meiner röhrenden Ascaso Kaffeemühle aus den Schlaf riss.
Ein guter Cappuccino und ein Teller Haferflocken taten jetzt gut.

Wenig später ging es dann bereits los nach Belgien, wie so oft die letzten Wochen. Es war eine Fahrt wie in Watte gehüllt. Ich war kurz davor alles hinzuwerfen. Ich wusste, es würde eine harte Nuss werden. 274Km und 5200 hm standen auf dem Programm und ich war dieses Jahr noch kaum Berge gefahren und hatte bereits vor der Ronde van Vlaanderen immer wieder mit meinem Rücken zu kämpfen. Hexenschuss als Folge von muskulären Verspannungen die ich mit täglichen Übungen wieder in den Griff bekam.

Was für den Profis die Bewährungsprobe für die Saison ist, ist für den ambitionierten Jedermann- Fahrer vielleicht noch ein kleines Stück‘l härter.
Jeder hat meinen Respekt verdient, ob schnell oder langsam oder auch von Pannen geplagt.
Golazo und Aso Sport ermöglichte es den Amateuren einen Tag zuvor die Profi Strecken zu befahren. Der Verkehr war aber nicht immer gesperrt und an roten Ampeln musst man anhalten. Die Querungen der Landstraßen wurden durch die zahlreichen Streckenposten fließend gewährt.

Würde ich es schaffen heute den Triple zu holen? Also alle drei großen Challenges, Vlaanderen, Roubaix, Liège-Bastogne-Liège .
Das Triple ist durch den Veranstalter Golazo quasi vorgegeben und bis zum Jahr 2017 gab es sogar einen Rucksack mit speziellen Präsenten für den glücklichen Finischer durch die Firma Skoda-Automobile.
Leider war Skoda dieses Jahr als Sponsor ausgefallen. Ich fuhr also für die Ehre, für mich!

Für die Mittagszeit waren laut Wetterbericht 27C° angekündigt, aber es sollte heißer werden.
Mein Körper musste sich erst mal wieder an sommerliche Temperaturen gewöhnen, ab 25C° nimmt meine Leistungsfähigkeit meist auch ab.
In Roubaix war ich mit Beinlingen, Armlingen Unterhemd und langen Handschuhen an den Start gegangen und bei 26C° habe ich mich schwitzend ins Ziel gequält. Das sollte sich diesmal nicht wiederholen. Da würde dann nur ein Sommerröckchen helfen
*haha
Die Auswahl war dann letztendlich eine kurze Sommerbotze (botze-kölsch=Hose), Sommersocken und ein dünnes Sommertrikot. Morgens in Liège um 6:15 angekommen, waren es nur noch 12C°.

Kurz vor dem Start 6:30

Es war bereits gerammelt voll und nach der Überquerung der Maas aus dem verlassenen Hafengebiet heraus war ich schon beeindruckt von dem Trubel um die frühe Uhrzeit. Sehr bald traf ich auch auf bekannte Gesichter. Leider hatte man sich in der Masse von 8000 Teilnehmern dann später nicht mehr wiedergesehen.
Es gab drei verschiedene Streckenlängen 79km, 160km, und last but not least 273km mit 5290 Höhenmetern und neun „Côtes“, wie die durchaus knackigen Anstiege mit bis zu 20 % in Belgien genannt werden. Über 2700 Teilnehmer entschieden sich für die längste Distanz.
Die lange Strecke ist bis auf kleine Nuancen identisch mit der Pro-Strecke welche eine Länge von 258km aufweist.

21.04.2018

Um wieder auf das Geschehen vor Ort zurückzukommen: Nachdem ich mich fertig gemacht hatte rollte ich über das Pavé der Quai de Wallonie an der Maas entlang.
Es waren 400m bis zur Halles des Foires (Expo-Gelände).
Leider hatte ich wie so oft kein E-Ticket erhalten und konnte mich somit nicht an den Scanner Schaltern einchecken.
Ich wurde dann aber direkt am Infostand freundlich empfangen und man händigte mir meine Startnummer gegen die Vorlage der Zahlungsbestätigung aus.
Dann fixierte ich die Startnummer mit Transponder am Lenker und erwarb noch eine seltene Vermarc L-B-L BiB im Fan-Shop.
Und fasst hätte ich dann noch die Sonnencreme vergessen, mein Training fand schließlich im Winterland statt und viel Sonne hatte ich bis dato nicht an meine Haut gelassen.

Zurück zur Halles des Foires fuhr ich dann seitlich mit einem eleganten Schlenker über die Zeitmessung hörte das „piep, piep“ und drückte den Startknopf an meinem Edge.

„GO“

In einer trägen Masse ging es mit Gegenverkehr über das Pave‘ Richtung Maasbrücke.
Dann kam die erste Ampel, es sammelte sich eine Gruppe von 70 Teilnehmern.
Die Ampel sprang auf grün, in einer großen Wolke ging es zügig quer durch die City von Lüttich. Die breiten mehrspurigen Straßen waren noch frei, nur wenige Autos waren unterwegs.
Bei einer Brückenüberfahrt warf ich einen Blick auf die in der Morgendämmerung leuchtende Maas, es war traumhaft. Es schien alles gut zu laufen, als ich plötzlich rund siebzig Radfahrern hilflos verstreut auf einer großen Kreuzung stehen sah
Die Richtungszeiger fehlten, keiner wusste welche der Straßen nun die richtige sein sollte.
Mein Garmin rechnete und sagte mir zurück? Ich teilte es laut der Menge mit, einige fuhren hinter mir her, nur die große Masse fuhr eine andere Richtung. Wir entschieden uns dann an der Wolke zu bleiben und kamen letztendlich wieder auf die richtige Strecke.

Es dauerte einige Zeit bis wir aus Lüttich herauskamen, es waren rund 11km.
Die Strecke führte durch ehemalige Industrie und Arbeitergegenden in Richtung Loveigne, westlich vorbei an Chaudfontaine, in die Ardennen. Die ersten Anstiege ließen also nicht lange auf sich warten. Ich bin letztes Jahr im Mai bereits den Klassiker Tilff-Bastogne-Tilff gefahren.
Die Strecke ist nahezu identisch, bis auf die Anstiege bei Lüttich. Es wird von der Akademie Lüttich gestartet und dort ist auch das Ziel. Die Streckenlänge betrug 247km.
Ich wusste somit was ungefähr auf mich zukommen würde, einige Passagen hatte ich noch gut in Erinnerung.

In den Ardennen angekommen fielen die Temperaturen immer weiter. Bei einer Temperatur von 7C° in den dünnen Klamotten, war es verdammt kalt geworden. Auf den Abfahrten kuschelte ich mich an die Gruppen ran oder hielt mir auch schon mal eine Hand aufs Knie. Trittfrequenzen von über 100 U/min waren keine Seltenheit, ich musste warm bleiben. Es lief ganz gut und ich dachte noch die schlaflose Nacht habe ich weg gesteckt, was sich nachher als Trugschluss erweisen sollte.

Ich versuchte meine Leistung 20 % unter dem Standard zu belassen. Der Weg bis Bastogne ist nichts, die ersten 100 km werden gerollt. Ab Kilometer 180 kommen dann die Qualen und auch die heftigen Anstiege mit bis zu 20 %. Die Körner sollten also nicht zu früh verschossen werden.

An der ersten Zwischenstation in Bosson habe ich nur kurz Wasser aufgefüllt, dann ging es westlich vorbei an der Ortschaft Achouffe, der Brauerei mit dem süßen Zwerg als Logo.

Die erste Cote welche gelistet war folgte sogleich, es war die Cote de Bonnerue.
Die Länge des Anstieges betrug 2,5km mit einer durchschnittlichen Steigung von 5,7 % und maximal 7 %.

In Richtung Bastogne ging es nun über eine dicht bewaldete grüne Hochebene, auf bis zu 600 Metern Höhe.
Im Bereich von Vevy bin ich die Strecke letztes Jahr im Mai noch bei 3C° und Nebel mit 10 Metern Sicht gefahren. Ich erinnerte mich an viele Abschnitte und Punkte. Nun war es April und wir hatten sommerliche Temperaturen. Die Fahrt ging vorbei am Bastogne Barracks (Museum) ,dort stehen Panzer welche an die Belagerung im Jahr 1944 erinnern.
Die Belagerung war ein Teil der Ardennen Offensive, der vorletzten Offensive der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Ihr Ziel war es, den Hafen von Antwerpen zu erreichen.

In Bastogne waren die Temperaturen mittlerweile auf 26C° gestiegen. Ich machte ein paar Fotos und schaute mich um. Während ich Salzstangen futterte bekam ich einen heftigen Schlag auf die Kniescheibe.
Ich fühlte den Schmerz und sah einen völlig verausgabten Teilnehmer vor mir der sich entschuldigte.
Ihm war sein Rad aus der Hand gerutscht. Durch die Enge und das teilweise egoistische verhalten mancher Teilnehmer war ich bereits etwas an genervt, ich blickte ihn nur wortlos mit ernster Mine an.
Der Vorbau samt Garmin war voll auf das linke Knie geknallt, ich hatte nun Sorge das ich eventuell die weiteren 174km mit Schmerzen fahren müsste.
An der Abfüllstation für Wasser war nur ein Gartenschlauch, drei Mädchen waren eifrig damit beschäftigt Wasser nach zufüllen. Die Leute drängten sich zu einer Seite alle vor. Nach 20min wurde es mir zu bunt, ich hab mich dann zu Wort gemeldet. Große Kanister mit Isotonischen Getränken waren genügend vorhanden, aber die große Menge der Teilnehmer hatte sich dann doch für Wasser entschieden, sicher auch aufgrund des aufdringlichen künstlichen Geschmackes.

Am Kreisverkehr in Bastogne habe ich dann wie im Jahr zuvor noch ein Selfie geschossen und bin dann weiter auf die Nationalstraße N30 in Richtung Houffalize bis kurz vor Cobru.

Zunächst noch im Autoverkehr, dann ging es links ab über eine entlegene Feldstraße durch die weitläufigen Felder der Ardennen.
Sehr bald kam dann auch die nächste Steigung. Die Cote St Roch, ist die Nordauffahrt von Houffalize. Die Durchschnittssteigung beträgt beachtliche 11 %. Immer wieder zeigte der Steigungsmesser 15 % an. Dies änderte sich auch mit Verlassen der Ortschaft nicht.
Mein linkes Knie zwackte mittlerweile, ich massierte etwas daran herum und zum Glück war es nach circa 40km wieder okay. An der dritten Verpflegungsstation in Gouvy, auf einem schönen alten Gutshof angekommen, sah ich bei der Einfahrt schon das es hoffnungslos überfüllt war. Wasser zu holen war zwecklos, auch hier gab es für das Wasser wieder nur einen Gartenschlauch, welcher an einem Gestell mit einigen Wasserhähnen angeschlossen war.
Ich lies mich stattdessen mit Sonnencreme versorgen, ich wollte keine schweren Verbrennungen mit nach Hause tragen. Die Sanis umsorgten einen vorbildlich.

Ich fühlte mich wieder einigermaßen fit und war guter Dinge, doch es waren bis nach Lüttich noch über 170km, eine harte Nuss.
Wir kamen mittlerweile zum dritten Anstieg, die Côte de Mont le soie. Mit einer Höhe von 558 Metern und eine durchschnittlichen Steigung von ca. 6 % und einer maximalen Steigung von 9 % , auf 4 km Länge, hinauf von der Ortschaft Grand-Halleux. Dieser Anstieg war dann auch relativ angenehm zu bewältigen.
Das Garmin zeigte mir 150 gefahrene Kilometer an. Ich fühlte wie ich langsam schlapp wurde. Der Körper war durch die schlaflose Nacht geschlaucht. Würde ich es schaffen?
Ich hatte meine Zweifel, die Hitze kam noch dazu. Es waren bis zu 34C° im Schatten. Langes Anhalten war kontraproduktiv. Ich versuchte möglichst im Wind zu bleiben.
Der nächste Anstieg war die Côte de Pont de Libin, sie liegt im Ardennen- Niemandsland, es geht ohne die geringste Kurve im Wald bergauf, die Steigung ist schon ganz ordentlich, sie liegt um die 10 bis 12 %., nach 1,7 km war aber dann auch wieder schnell Schluss. Weiter ging es nach Malmedy, die Gegend wurde mir nun immer bekannter, ein Gefühl von Heimat. Vor der nächsten Verpflegung kam nun die Côte de Bellevaux mit 7 % im Mittel und 11,5 % maximal Steigung auf 1100 Metern. Sie ist relativ einfach zu fahren, ich lasse die Blicke dabei über die Landschaft schweifen, welche durch Weiden und Feldern geprägt ist. In Malmedy angekommen, wirkt alles sehr vertraut. Ich hatte bereits die Côte de la Ferme Libert nahezu vor mir. Den Weg dorthin kannte ich noch.
Davor gab es aber noch eine Verpflegungsstation in Malmedy, es war die Nummer vier von fünf.
Der Kurs führte uns über eine zweispurige Bundesstraße, die heute erstaunlich leer war, mit Speed ging es den groben Asphalt bis nach Malmedy runter. Die Verpflegungsstation befand sich an der Nationalstraße im Gewerbegebiet, direkt neben einer Frittenbude. Auch wenn ich es satt war diese Gels und Riegel zu futtern, Fritten zu essen wäre jetzt keine gute Idee.

An der Verpflegung angekommen wollte ich mir Wasser holen, doch ich musste mich gedulden. Es kam nur ein schwacher Strahl aus dem Hahn, eine Flasche zu befüllen dauerte bald 2min.
Ein ungeduldiger Teilnehmer stellte sich rechts neben mich und wusch sich seine dreckigen Hände, sein Waschwasser spritzte in meine Flasche, ganz toll dachte ich mir nur und füllte meine Flasche erneute 2min lang mit frischen Wasser auf.

Dann habe noch ein paar Salzstangen und eine geviertelte Orange gegessen und bin wieder auf mein Rad gestiegen. Weiter ging es zunächst nur auf der Bankette vorbei an einer Kolonne nach Abgas stinkender Autos, zum ersten 20 % Anstieg.
Etwas außerhalb des Ortes, vorbei am Schwimmbad sah ich schon links oben am Berg deutlich den Mountainbikepark, zur rechten sieht man einen großen alten Backstein Fabrikturm aus dem Wald ragen, jetzt geht es gleich links zu Côte de la Ferme Libert.
Mit ihrer Durchschnittlichen Steigung von 12 % und 20 % Maximal gehört sie zum Härtesten was die Ardennen zu bieten haben. Knapp vor Schluss geht sie wie eine Wand hoch.
Wir hatten als Zugabe noch einige Autos dabei, die uns die Luft versüßten.

Auch diesen Anstieg bin ich durchgezogen, absteigen gab es nicht. Ein Mann ein Auftrag.

Über Bernister ging es dann Richtung Spa-Francorchamps, die Rennstrecke war zu meinen Motorradzeiten noch frei befahrbar und galt als meine zweite Heimat. An dem Tag schien dort ein Porsche Treffen stattzufinden, es wimmelte überall von diesen Autos. Als wir im Tal angekommen waren erinnerte ich mich an damals. Dort war die Rennstrecke teilweise offen für den Verkehr. Im Tal war die sogenannte Bus Stop Schickane und der berühmte enge Start mit dem scharfen rechts knick (La-Source), vorbei an der Boxengasse, hoch zur Todeskurve (rechts/links) der Eau Rouge. Der Name Eau Rouge (franz. „rotes Wasser“) kommt vom dort gelegenen kleinen Fluss Eau Rouge, der von eisenhaltigem Wasser naher Quellen gespeist wird. Damals konnte man sogar mit dem Fahrrad die Rennstrecke befahren. Was ich auch mehrfach gemacht habe.

Hinauf nach Francorchamps im Ort bekam ich erst mal wieder eine ordentlich Prise Autoabgase ab, der Verkehr staute sich an. Das es Porsche waren machte es leider auch nicht besser.
Ich sah nun einige Radfahrer welche in den Restaurants am Straßenrand draußen saßen und sich erholten. Das kam für mich nicht in Frage. Aber vielleicht gehörten sie auch nicht zu der Challenge.

Beim Flèche de Wallonie 2017 bin ich dann direkt nach Spa gefahren. Nun ging es links ab weiter durch die Ardennen Achterbahn.
Es kam noch so einiges an Anstiegen und dank der schlaflosen Nacht hatte ich keine Körner mehr. Ich fuhr quasi nur noch mit gefühltem Ruhepuls. 110 – 135 Pulsschläge waren sehr wenig für mich. Zwischendurch lief es nochmal, aber nicht lange.

Vor mir lag nun ein Paß (Col), der Col du Rosier Est (Rosengarten).
Der 556 m hohe Paß befindet sich zwischen Spa und La Gleize im Tal der Amblève im Süden.
Der Col oder Côte du Rosier ist mit 550 m der höchste Punkt bei Liège–Bastogne–Liège Rundfahrt und besitzt mit 4 km auch den längsten Anstieg. Mit seiner Durchschnittssteigung von 5,9 % war er aber noch angenehm zu befahren.

Von dort aus ging es zügig nach Spa herunter und dann zum Col du Maquisard.
Der Anstieg liegt westlich des bekannten Kurortes Spa und muss auf direktem Wege in Richtung Sougné-Remouchamps und zur Côte de la Redoute überwunden werden. Es handelt sich dabei um die Hauptverbindungsstrecke, die N697.
Beim Flèche de Wallonie ist dies die erste Bergwertung des Rennens. Von dort aus ging es nun weiter zur sagenumwobenen Côte de la Redoute.

Ich lebte wieder etwas auf, die Redoute kannte ich ja bereits, an der Anfahrt sah man bereits das dort einige Wohnmobile standen, der Geruch von Grillkohle und Steak lag in der Luft.
Mensch hatte ich jetzt einen Hunger auf was anständiges. Das war jetzt fast schon gemein.
Wenigstens sorgten die Zuschauer dort für ordentlich Stimmung, sie feuerten uns an. Auch wenn es kein Steak gab, die Laune war wieder da. Ich blickte gierig auf die kalten Getränke und biss die Zähne zusammen. Ich wollte das Ding hier durchziehen, so müde ich nun auch war.

Am steilsten Stück bei 20 % ging ich nochmal in den Wiegetritt und packte beherzt in den Unterlenker. Da war doch noch etwas Wille und Energie. Nochmal eine gute Figur gemacht vor der Blitzanlage von Sportograph und weiter ging es.
Am Ende des Anstieges sah ich dann zwei Männer mit jede Menge Wasserflaschen auf dem Campingtisch. Sie gratulierten mir und füllten mir meine Trinkflasche mit kalten Vittel auf, ein Hauch von Luxus. Ich bedankte mich herzlich und setzte meinen Weg Richtung Sprimont mit einem Anflug von neuer Energie fort. In Sprimont an der letzten Verpflegungsstation war ein grob geschotterter großer Parkplatz, die Wasserausgabe befand sich ganz am Ende.
Ich hab es dann gelassen, eine Flasche war ja noch voll. Nachdem ich eine Banane noch eine Miel Honigwaffel gegessen hatte wurde mir leicht Übel, die Honigwaffeln sind mir eigentlich zu süß, aber irgendwie musste der Speicher aufgefüllt werden.

Die Côte de la Roche aux Faucons (Falkenfelsen), Ourthe (Librairie de L‘) war der nächste Climb sie liegt südlich von Liége oberhalb des Tals der Ourthe.
Der Einstieg ist von Méry-Esneux, es ist eine aus dem Ourthe-Tal herausragende Felswand. Die maximale Steigung beträgt bis zu 16 % in den letzten 70 Metern auf 1,5 km Gesamtlänge sind 148hm zu bewältigen bei einer durchschnittlichen Steigung von 10 %.

Oben angekommen machte ich einen kurzen Halt und aß mir einen Magnesium Riegel vom Verpflegungsstand. Der schlug mir dann wenig später auf den Magen.
Zwischendurch kamen immer wieder Momente wo ich wieder richtig in die Pedale trat.
Den Anstieg zur Lütticher Akademie bei Tilff meisterte ich noch locker. Ich kannte die Stadion noch vom Maiklassiker Tilff-Bastogne-Tilff.
Dann ging es weiter Richtung Maas im Sturzflug den Berg herunter, doch Obacht ich musste vor allen an den Abfahrten hoch konzentriert sein, ich war total müde.

Im Tal angekommen ging es vorbei an der Cockerill-Sambre-Stahlhütte. Sie war völlig verrostet, die alte Stahlhütte war schon längst nicht mehr im Betrieb. 1817 gründete John Cockerill die Firma, irgendwann in den letzten Jahrzehnten spielte die Stahlerzeugung wie auch in Deutschland keine große Rolle mehr.
Ich genoss auf irgendeine Art die morbide Industriekultur, dass Abendlicht warf ein goldenes Licht auf die rostigen Schlote.
Ich fragte an einer Ampel noch einen Teilnehmer nach Wasser, meine Flaschen waren leer, er goss seine Flasche in meine und ich nahm einen Schluck. Leider war es offensichtlich eines der Isotonischen Getränke die nicht auf meine Lieblingsliste standen. Ich musste etwas trinken, egal was. Es war ja gut gemeint von ihm.
Weiter ging es im Linksbogen vorbei am Stade Maurice-Dufrasne, dem Fußballstadion vom Fußballvereins Standard Lüttich. Das im Lütticher Stadtteil Sclessin gelegene Stadion bietet heute rund 30.000 Plätze, die Gegend um das Stadion ist nicht die beste. Die ehemalige Arbeitersiedlung bietet aber ihren Charme.
Nun kam die Côte de Saint-Nicolas, er ist die letzte gewertete Steigung kurz vor dem Ziel des Radklassikers. Die Radprofis müssen diesen Anstieg nach 255 km und wir mit ein paar Kilometern mehr in den Beinen fahren.
Feurige Attacken waren aber von uns Amateuren nicht mehr zu erwarten. Ich fuhr das Ding einfach durch und war froh wie der Zielbogen hinter mir war. Nach sprinten war uns nicht mehr zumute. Wir waren leer gefahren, der Autoverkehr auf dem breiten Straßen nahm zu. Die Luft war trocken und Abgas geschwängert, mein Hals brannte und war trocken.
Nun war meine Trinkflasche auch wieder leer und ich hielt Ausschau nach einem Kiosk.
An einer kleinen Bude lief ich mit dem Rad unter dem Arm herein und fragte ob man mir die Flasche füllen könnte. l’eau du robinet. Der Verkäufer sah mich an und entschuldigte sich bei mir, er darf es nur verkaufen. Genervt kramte ich noch mein Geld aus der Trikottasche und legte 80 Cent für eine 0,33 Liter Flasche Wasser auf die Theke., wenigstens war es gekühlt.

Auf dem Pavé spritzte mir das Wasser über Garmin und Beine. Immer wieder nahm ich einen kleinen Schluck aus der Flasche und hielt sie dabei in der linken Hand fest. Mir wurde selbst von dem Wasser übel, aber wenigstens war der Hals nicht mehr trocken. Ich fuhr echt auf dem Zahnfleisch, es war eine Qual. Diese verdammte schlaflose Nacht und nun die Hitze. Ich zog den letzten Tropfen Wasser aus der Flasche und biss auf die Zähne.
Wir fuhren nun wieder durch kleinere Straßen, die Sonne warf ein schönes Licht auf die kleinen alten Häuser. Es standen immer wieder Kinder auf den Bürgersteigen und winkten uns strahlend zu. Wir klatschten ihre Händchen ab die sie uns hinhielten. Meine Laune stieg wieder an, ich werde es schaffen. Es waren noch acht Kilometer bis zum eigentlichen Ziel, der Halles des Foires an der Maas. Es wurden die längsten acht Kilometer die ich je im Leben gefahren war.

Über Kopfstein im dichten Autoverkehr kam von rechts ein Rennradfahrer in Jeans und ohne Helm er schien kein Teilnehmer zu sein. Plötzlich hörte ich hinter mir einen Schrei. Ich sah noch wie der Rennradfahrer plötzlich und unvermittelt rechts herübergezogen kam direkt in Richtung meines Vorderrades. Links neben mir fuhr ein Auto, ein Kurswechsel also ausgeschlossen. Ich reagierte nur ohne zu Bremsen und machte einen leichten Schwenk und rettete mich so um 2cm vor einem Abflug, mitten auf dem Kopfsteinpflaster von Lüttich.

Ich rief ihm noch irgendwas mit Bastard hinterher und schoss den Berg hinunter, ich dachte noch lange kann es doch nicht mehr dauern. Aber es kamen gefühlt immer wieder kleine Anstiege und Kurven. Der Kilometerzähler wollte sich einfach nicht bewegen.

Dann kam endlich wieder die Maas, es ging auf eine zweispurige Schnellstraße. Ohne das dort Streckenposten waren oder besondere Vorkehrungen getroffen wurden befuhr man die Strecke im dichten Autoverkehr quer über über eine doppelte Rechtsabbiegespur. Die Autos schnitten quasi unsere Spur, es war nicht ungefährlich. Wieder in den Häusergassen angekommen weiter über das Lütticher Pavé ging es noch durch einige Kreisel zur Halles des Foires ich war erleichtert und glücklich als ich den Zielbogen sah. Ich riss die Arme in die Luft und lies einen Freudenschrei los. Im Ziel hing mir dann noch eine junge Frau die schöne Medaille um den Hals .

Es war vollbracht, der Plan war aufgegangen.

Das Ehrenfoto im Ziel durfte nun auch nicht fehlen, noch einmal lächeln und in Pose stellen.
Danach rollte ich erst mal zu meinem Auto. Dort angekommen setzt ich mich auf die Wiese mit einer Flasche Wasser. Mir war es übel, mein Körper war total überhitzt. Ich tauschte die verschwitzten Klamotten gegen eine Badeshort aus. Nach 20min ging es mir dann wieder besser. Ich packte mir mein Badezeug und ging rüber zu den Duschen. Die Sanitäranlagen waren in zwei Sattelzug Anhängern eingebaut. Das Wasser war eiskalt, aber es tat verdammt gut. Nachdem ich mir eine Saucisse (französische Kräuter-Bratwurst) im Baguette mit Ketchup gegessen hatte ging es mir wieder richtig gut. Auf Bier habe ich dann doch verzichtet.

Dann habe ich mich noch ein Weilchen zu den anderen Teilnehmern gesetzt, wir plauderten über den heutigen Tag, es war eine entspannte Atmosphäre. Auf dem Rückweg um 21 Uhr habe ich nach 5km erst einmal halt an einer Friture gemacht. Sie lag in einem kleinen Vorort von Lüttich. Die Fritten waren super lecker aber leider für meinen Magen in dem Moment zu fettig. Ich habe sie mir einpacken lassen und am nächsten Tag im Backofen warm gemacht und sie schmeckten immer noch.

Kurz vor Köln bin ich dann noch an einer Ampel fast eingeknickt.
Das nächste mal werde ich die Nacht in Lüttich bleiben.
Ja das nächste mal 😉 Und – Unter zehn Stunden wären mein Ziel. Mal schauen.

Ronde van Vlaanderen Cyclo 2018

06:20 am Samstag, den 31. März 2018

Ronde van Vlaanderen Cyclo 2018

Der Tag der Challenge

Um 5:15 ging der Wecker ich fuhr durch die Altstadt von Antwerpen vorbei an den Denkmälern der Stadt, es war dunkel.
Hier und da lagen Scherben von der vergangenen Nacht, nun Obacht und nicht schon einen Plattfuß vor dem Start. Dann die ersten Leid-genossen, dass war Pech für sie. Ich fragte mich durch, da ich noch meine Startnummer abholen musste. Die konnte ich in Antwerpen nur am morgen der Challenge abholen. Das war dann auch relativ schnell geklärt, unten am Kaai gab es sie. Dann noch ein paar Fotos und aufgestellt in dem Riesen Pulk von Radrennern mit dem Hintergrund der angestrahlten Liebfrauenkathedrale.

Der Startschuss fiel um 7 Uhr am Plantinkaai an der Schelde, um 7:12 überfuhr ich aber erst die Zeitmessung. Es war eine Riesen Masse die erst mal in Bewegung kommen musste.
Vorbei an der Burg Hetsteen, bei 1C° Außentemperatur.
Ein Feuerwerk explodierte links und rechts vom Startbogen, laute Musik, Adrenalin Pur in den Adern.
Mit Speed ging es über das wellige Kopfsteinpflaster am Kaai, mir wurde schnell warm.
In großen Gruppen mit hohem Tempo ging es durch die noch dunkle Stadt. Vor dem Waaslandtunnel, der uns unter die Schelde führte, war auch erst mal wieder ein Stopp von ca zwei bis drei Minuten, wie auch an einigen Straßenquerungen welche ich nicht mit in die Wartezeiten einkalkuliert habe.

Leider fehlen mir die ersten 20km auf dem Garmin Track. Das Gerät war gestoppt und im Eifer des Gefechts habe ich vergessen es erneut zu starten. Aber schließlich gab es ja einen Transponder ;-).

39 Minuten waren es an Gesamt-Wartezeiten auf 229km, bis zum offiziellen Ziel in Ouderaande. Die Fahrzeit laut Transponder war von 7:12 Uhr bis 16:04 Uhr, inklusive aller Pausen bei 229km bis zum Offiziellen Ziel am Berg vor Oudenaarde das macht eine Fahrzeit von „8 Stunden und 13min“

8:52min – 39min sind 8:13min Fahrzeit inkl. vieler kleiner Stopps Querungen und zwei Pinkelpausen.

Eine Wilde Jagd links, rechts durch die Dörfer mit Schreien über die Kopplestones. Viel Radweg, oft musste man anhalten wegen dem Straßenverkehr. An den Verpflegungsstationen kam ich leider nicht vorbei und musste mitten durch die Radfahrermassen trippeln, meist habe ich nur Wasser nachgefüllt, also ein erneuter Zeit Verlust für mich, da ich gewillt war durchzufahren.

Am Koppenberg waren 17min Wartezeit angesagt, es war nass und rutschig man lies immer nur eine handvoll Radfahrer hoch. Ich war gewillt bis oben durchzuziehen, doch durch die Wartezeiten waren die Beine dicht und ich merkte auf der Hälfte wie quälend es wurde. Die Temperaturen von 14C in den dicken Thermoklamotten kamen noch hinzu.
Als ein Fahrer vor mir beim Versuch hochzuballern einen Salto Mortale der übelsten Sorte machte und auf die Schulter knallte und dem nächsten dann die Kette riss, sprang ich vom Rad und legte mich fast auch noch hin.
Das Koppenberg Pflaster war sauglatt und nass. Selbst das gehen war gefährlich.

Auf der weiteren Strecke bekam ich immer wieder einen leichten Hungerast, ich versuchte den Moment wo der Körper Nachschub benötigte gezielt abzupassen.
Nun hatte ich weite Strecken alleine zu absolvieren und musste mich mit Gels und Getränken da heraus befördern.
Leichte Krämpfe kamen dann später an den letzten Steigungen auch hinzu. Ein der schönsten Momente war mitunter die Auffahrt zur Kapel op de Oudeberg, Muur van Geraardsbergen, België.
Mein Bike wollte wie ein Pferd vorne abheben man musste sein Gewicht nach vorne legen, die Anstiege hatten es in sich.
„Let Op“, „Let Op“, „Attention“ ich höre mich immer noch schimpfen und rufen, einige Fahrer pennten schlichtweg. Eine Dame habe ich fast plattgebügelt sie fuhr mitten auf der Strecken mit Standgas den Berg herauf.

60km vor dem Ziel verabschiedete sich der linke STI Hebel, beim Versuch ein Gel während der Fahrt zu öffnen ist es mir in den Hebel gelaufen.
Plötzlich wurde die Piste wieder schlecht, da war Holland in Not und die Hände mussten beide an die Bar.
Danach war der Umwerfer nicht mehr zu bedienen, leider auch die Trimm-Position nicht mehr. Mit schleifender Kette auf 36 /13 36/11 habe ich mich dann in das Ziel gerettet.

Das Offizielle Ziel war oben am Berg mit dem Blick auf die Saint Walburga Kirche von Oudenaarde.
Offizielle Zieldurchfahrt laut Zeitmessung auf 229 Kilometern war dann 16:04:14. Danach standen viele Fahrer auf der Strecke und unten im Zentrum rund um die Kirche von Oudenaarde war ein Jubelmeer bei göttlichen Wetter. Ich bin dann erstmal die Runde nochmal um die Kirche gefahren und habe ein kleines Filmchen mit dem Handy gedreht und es genossen.
Dann das Bike im Parc fermé abgeparkt und erstmal einen Kaffee und ein Stück Kuchen gegönnt. Dann bin ich zur Transponder Rückgabe hinter dem Bahnhof gerollt.
Abgabe des Transponders Finish FLA war bei 233km um 16:56:09.
Dann ging es zurück mit dem Zug nach Antwerpen über Genk. 🙂

Am Abend noch ein Spaziergang durch das schöne Antwerpen und Pizza-Pasta und am nächsten Tag noch zum Start des Pro-Rennens.

Einige Details nun noch zum Schluss:

Wartezeiten und Durchfahrten, kleinere Stopps ausgenommen bei Straßenquerung + 2 Pinkelstopps .

Festivalhal Donk Paus die Fahrt musste durch die Halle fortgesetzt werden.
8:37 – 8:43 6min ca.

Straßenquerung Autostau Astrid Laan N42 Geraardsbergen 11:25:06 – 11:28:01 3min

Driepikkel Oudeberg Kapel 11:38:03 – 11:42:01 ca 6min

Leupegem 13:02:27 – 13:05:20 ca 3min

Koppenberg – Wartezeit da nur Gruppenweise gefahren werden durfte

13:13:38 – 13:30:33 ca 17min

Rouse Stadthuis 14:44:33 – 14:48:42 ca 4min

Paris-Roubaix Challenge 2018

Kleiner Bericht über mein Erlebnis – Die Paris-Roubaix – Challenge.

Im Herbst 2017 sagte ich mir, so nun bist du die L’Eroica in Gaiole-Toscana gefahren.
218km über die Strada Bianca mit dem Klassiker und Friktionsschaltung am Unterrohr.
Man sagt die Legendären Strecken wären die Mutter des Radsports, es war herrlich 🙂
Nun war also die Zeit gekommen, den Vater des Radsports kennenzulernen.

„PARIS – ROUBAIX !“

Zur Vorgeschichte von Paris-Roubaix, 1895 eröffnete das Velodrome in Roubaix, damals kam schon der Gedanke auf ein Rennen auszutragen das dort enden sollte. Die französische Radsportzeitschrift Le Vélo schickte den Fahrer Victor Breyer vor, der die Strecke per Velo erkunden sollte.
Gestartet ab Amiens, kam er völlig verschmutzt und durch gefroren in Roubaix an und entschloss zuerst das Rennen abzusagen. Nach einem warmen Band und einem guten Essen besann er sich jedoch es durchzuziehen.
Die erste Ausgabe des Rennens 1896 gewann dann der Deutsche Josef Fischer.

Damals war geplant das Rennen möglichst ohne Pavé zu fahren,
Denn die moderne läutete ein und das war der Asphalt.
Die ersten Streckenverläufe waren weitgehend ohne Pavés (belgische Blöcke) und nur kurz vor Roubaix gab es einige Sektoren welche die Fahrer aber zumeist über die Bürgersteige umfuhren.

Die heutigen Pavés sind schroffer und brutaler wie die damaligen Strecken.

Der heutige Klassiker Paris–Roubaix ist die Rekonstruktion einer Vergangenheit, die es nie gegeben hat.

Quelle :// https://de.wikipedia.org/wiki/Paris-Roubaix

Das Profirennen startet am Schloss in Compiégne, 80km vor Paris – COMPIÈGNE > ROUBAIX (257KM) . Von Paris aus wurde nur bis 1977 gefahren.
Die Strecke beinhaltet 54,5 Kilometer Kopfsteinpflaster in 29 Sektoren.

Strava Paris Roubaix Challenge

Die 29 Pavé-Passagen im Überblick (absteigende Reihefolge Richtung Ziel):

Sektor 29: Troisvilles – Inchy (2,2km) ***
Sektor 28: Viesly – Quiévy (1,8km) ***
Sektor 27: Quiévy – Saint Python (3,7 km) ****
Sektor 26: Viesly – Biastre (3 km) ***
Sektor 25: Biastre – Solesmes (0,8 km) **
Sektor24: Vertain – Saint-Martin-sur-Ecaillon (2,3 km) ***
Sektor 23: Verchain-Maugré – Quérénaing (1,6 km) ***
Sektor 22: Quérénaing – Maing (2,5 km) ***
Sektor21: Maing – Monchaux-sur-Ecaillon (1,6 km) ***
Sektor 20: Haveluy – Wallers (2,5 km) ****
Sektor 19: Wald von Arenberg (2,4 km) *****
Sektor 18: Wallers – Hélesmes (1,6 km) ***
Sektor 17: Hornaing – Wandignies (3,7 km) ****
Sektor 16: Warlaing – Brillion (2,4 km) ***
Sektor15: Tilloy – Sars-et-Rosières (2,4 km) ****
Sektor 14: Beuvry-la-Forêt – Orchies (1,4 km) ***
Sektor 13: Orchies (1,7 km) ***
Sektor 12: Auchy-lez-Orchies – Bersée (2,7 km) ****
Sektor 11: Mons-en-Pévèle (3 km) *****
Sektor 10: Mérignies – Avelin (0,7 km) **
Sektor 9: Pont-Thibault – Ennevelin (1,4 km) ***
Sektor 8: Templeuve (0,5 km) **
Sektor 7: Cysoing – Bourghelles (1,3 km) ***
Sektor 6: Bourghelles – Wannehain (1,1 km) ***
Sektor 5: Camphin-en-Pévèle (1,8 km) ****
Sektor 4: Carrefour de l’Arbre (2,1 km) *****
Sektor 3: Grusson (1,1 km) **
Sektor 2: Willems – Hem (1,4 km) ***
Sektor 1: Roubaix (0,3 km) *

Die Karte

Die Anfahrt bis Troisvilles ist ohne Pavé, ab da ist die Strecke identisch mit der Paris-Roubaix Challenge und wir Amateure fuhren somit den identischen Kurs, alles war bereits aufgebaut für das Profirennen. Die Tor zu Beginn und zum Ende, der 29 Pavé Sektoren und auch die Zeitmessung war aktiviert für uns. Eine Gesamtzeit mit Rangliste gab es nicht. Aber seit GPS und Strava brauch man das dann auch nicht mehr 😉 Eine persönliche schnelle Zeit geht also immer.

06.04.2018 Busigny

Nun am 06 April 2018 war es dann soweit ich war in Busigny angekommen. Es war ein wunderschöner Frühlingstag. Ich ging als erstes zum Salle Des Fêtes (Veranstaltungsraum des Dorfes ). Dort sollte es morgens ab 6:30 die Startnummern geben.

Dixiklos und Pissoir- Kleeblätter waren schon aufgebaut. Vor Ort war die Firma Golazo noch mit dem Aufbau des Events beschäftigt. Ich erkundigte mich nochmal und kam direkt freundlich mit einem der Mitarbeiter ins Gespräch, ihn würde ich dann am Abend auch wiedersehen. Ein netter junger Brasilianer kam auf mich zu und freute sich total und erzählte das er mit dem Vater und der Mutter angereist sind. Der Vater trainiert eine Rad-Mannschaft in Brasilien. Sie waren absolut begeistert von den Europäischen Radsport Klassikern. Er war sehr interessiert an allem und stellte mir noch seine Eltern vor. Ich wünschte ihnen viel Glück für morgen.
Dann noch schnell ein paar Fotos gemacht und weiter durch das Örtchen mit der Spiegelreflex-Kamera hoch zum Startort an dem Mairie, 39 Rue Pasteur. Dort genoss ich dann erst mal einen guten Café in der Le Bo`Bar . Dort sollte auch am nächsten morgen der Start sein.
Die Anwohner waren alle schon fleißig bei der Arbeit und was soll ich sagen?
Warum sind die Menschen alle so super nett hier?
Ist Deutschland oder viel mehr Köln so abgestumpft?
Ich war bester Dinge, nur ein paar Brocken Französisch im Wortschatz und meist habe ich die Menschen auf Englisch angesprochen, aber ich wurde ich stets freundlich begrüßt.

Nach dem ersten Eindruck vom Ort Busigny bin ich dann erst mal in meine Pension gefahren, auch dort fühlte ich mich sehr willkommen. .
Nachdem ich alles ausgeräumt hatte und das Scott Rennrad für morgen früh startklar gemacht hatte bin ich dann nochmals nach Busigny gefahren.
Am Mairie (Rathaus) war ein Zelt aufgebaut. Die Einheimischen hatten sich ein Fassbier angeschlagen und luden mich direkt ein. Aber ich musste leider absagen und habe mich mit einem Becher Cola begnügt.

Es gab dort von der Firma Golazo für alle Helfer, Caps, Regenjacken, T-Shirts in schwarz mit roten Roubaix Logo und Schriftzug aufgedruckt.
Im Zelt wurde ich dann gefragt ob ich mit den Helfern etwas Essen möchte.
Ich war begeistert und setzte mich mit 2 Franzosen wobei einer zum Glück Englisch sprach in die alte Schule und es gab eine Mega-Portion Spaghetti Carbonara. Danach noch Früchte und Kaffee.
Bei guter Laune verging die Zeit wie im Flug. Wir erzählten noch den ganzen Abend, teilweise mit Händen und Füßen, die Jungs waren es dem Nachbarort und sind die Challenge bereits dreimal gefahren. Irgendwann war es 22:30, ich hatte eine Wampe kurz vorm explodieren, oje überfressen! Jetzt schnell noch einen Verdauungs-Spaziergang, die Luft war herrlich, Vögel gezwitscher obwohl es dunkel war. Der Frühling lag in der Luft.

Am Tag der Challenge 07.04.2018 Busigny

Morgens um fünf Uhr ging der Wecker!
Ich hatte gut geschlafen auch wenn es nur vier Stunden waren, aber mein Körper, die Autofahrt gestern so richtig fit fühlte ich mich nicht.
Also habe ich erst mal ein paar Fitness Übungen gemacht und dann eine warme Dusche genommen. Danach zuerst das Fahrrad einladen, es war stockdunkel hier draußen.
Um 5:30 gab es sogar schon das Frühstück, es war reichhaltig gedeckt und siehe da, noch mehr Verrückte.
Insgesamt waren es fünf weitere Teilnehmer, während wir uns unterhielten trank ich die dritte Tasse Kaffee und so langsam wurde ich wach.
Zwei frische Portionen vom Haus gemachten Quark bekam ich noch herunter, der Bauch war immer noch voll.
Dann ab ins Auto nach Busigny, alles war gepackt.

Über die Dörfer, die engen Heckenwege, die gelben Straßenlaternen führte mich das Navi zum Start ich wollte um 6:30 einchecken.
Doch was passierte dann! Die Landstraße nach Busigny war gesperrt!
Ein Wagen der Gendarmerie stand quer und eine Polizistin und ein Polizist verweigerten mir die Durchfahrt.
Ich zeigte ihnen die Startunterlagen, da war nichts zu machen. Sie sprachen nur französisch.
Ich Verstand nur das ich zwei mal links fahren sollte, dort wäre ein Parkplatz.
Ich fuhr dann in den Ort rein lud mein Rad aus und machte mich Startklar.
Dann erneut runter zur Landstraße, es war immer noch stockdunkel und 6C° .

Doch was nun?
Auch mit dem Fahrrad wurde mir nicht die Durchfahrt gewährt,
ich bekam einen Affen.
Mit geballter Faust in der Tasche und lauten Wiederworten fuhr ich durch die Ortschaft.
Ein Van mit Rennrädern kam mir entgegen, ich stoppte ihn.
Leider wussten sie auch nicht wo es zum Start geht.
Ich schaltete googlemaps ein und fuhr los, die Fahrt endete mitten im Acker!.

Na Klasse!!!

Ich war geladen und lies lautstark meinen Frust ab.
So ein verdammter Mist!
Dann ging die Irrfahrt weiter im starken Gegenwind über die offenen Felder, durch drei weitere Ortschaften.
Alle Zufahrten nach Busigny waren gesperrt, kein Erbarmen bei der Gendarmerie!
Im letzten Ort dann ein Haufen Autos und Radfahrer, keiner wusste wo es langgeht, wir fuhren zu fünft erneut in einen Feldweg.
Ein Gendarm hatte uns zuvor den Weg gezeigt.
Dann versuchte ich es erneut mit googlemaps, die anderen fuhren hinter mir her und ja wir sahen die ersten Helfer, sie winkten uns zu.
Die Hoffnung war schon fast gestorben.

Eine Gruppe von Engländern welche ich antraf, war auch stinksauer über die Organisation von Aso. Wir fuhren gemeinsam weiter.
Keinerlei Schilder die uns zum Start führten und warum die Gendarmerie uns Radfahrer nicht zum Start fahren lies, schleierhaft.
Nun war ich erleichtert, ich grüßte jeden der Helfer mit Bonjour, teilweise erkannten sie mich noch vor Vorabend.
Am Salle Des Fêtes angekommen zückte ich meinen Ausweis und holte die Startunterlagen.

Es war fast nichts los, Glück gehabt. Ich hing absolut hinter meinem Zeitplan, es waren bereits 7:10 Uhr.
Dann die Startnummer an den Lenker und noch eine auf das Trikot gepinnt, noch schnell ein Foto gemacht und rüber zum Mairie an den Start.

Ein Startbogen war aufgebaut und ein kleines Kamerateam filmte uns alle.
Es waren vielleicht 40 Leute dort und ich war einer der ersten Starter. Wo waren die 1500 Teilnehmer welche von Roubaix per Shuttlebus anreisen?
Aus der Umgebung von Busigny sollten ebenfalls 1500 direkt an den Start gehen. Nun ja mir war es recht so. Schön übersichtlich.
Ein älterer Herr mit braunem Jacket und lässig zurück gekämmten grauen Pomade Löckchen machte die Ansage mit einem Mikro. Der war absolut 70ties, cool und sicher auch Radsportler bei der Figur. Dann um 7:29 nahm er den silbernen Revolver vom Tablett und gab um 7:30 den Startschuss – Bäng!

Es ging los mit vierzig Leuten über die Feldern, die Sonne kam raus, leichte Nebelwolken standen über dem Gras und den Hecken der hügeligen, weitläufigen Landschaft.
Die Reifen rauschten die Ketten surrten, ein Traum!

Es ging fast direkt wieder an meiner Unterkunft vorbei nach Troisvilles.
Der erste Pavé Sektor 29, Dèbut de Troisvilles à inchy wartete bereits auf uns.
Und babababababarrrrrrrrrr ab ging es für mich, auf 28mm Reifen mit dem Scott Speedster 105 Alurenner von 2013. Ich merkte schnell wo es drauf ankam. Kette aufs große Blatt und Gas und alle Gelenke entlasten, nicht abstützen und Lenker fest im Griff.
Es lief verdammt gut, mit über 30km/h bis über 40km /h, über das meist abschüssige Pavè der ersten Sektoren. Ich weiß nicht wie oft ich gerufen habe, „pass left, pass right, à droite, à gauche, attention!“ Die Mitte des Pavès war beliebt, an den Kanten wurden die Steine meist uneben.
Sie waren durch die Traktoren in ihrer Fügung auseinander-gedrückt.
Neben dem Pavè konnte man teilweise auf abenteuerlich schmalen Rinnen fahren. Dort war aber auch die Gefahr gegeben, dass dort ein dicker Pflasterstein lag oder eine tiefe Senke oder ein böses Schlagloch lauerte. Volle Konzentration war angesagt.
Die ersten Pavés liefen geschmeidig. Eine Zeitlang fuhr ich in einer schnellen Gruppen mit wir waren bei knapp über 31km/h im Schnitt. Ein Fahrer aus Neuseeland fuhr neben mir, wir unterhielten uns einige Zeit. Er war extra angereist vom anderen Ende der Welt, Wahnsinn.
Irgendwann verlor sich die Gruppe, einige waren schneller auf den Paveś, andere rissen ab.
Bei Kilometer 50 gab es die erste Versorgung in der Ortschaft Verchain Maugre, es war nun 9:14Uhr.
Ich füllte meine Flaschen mit Wasser auf, machte Pinkelpause und schoss ein paar Fotos.

Dann ging es weiter, das Wetter war perfekt. Einige der Fahrer schlossen nun wieder auf.
Die Pavés wurde immer ruppiger, das Rad klapperte überall.
Irgendwie rätselte ich noch, sind es die Flaschenhalter? Vielleicht weil die Flaschen voll waren?
Egal, keine Gnade dachte ich mir, Augen zu und durch!
Eine Abfahrt genoss ich noch mit geschmeidigen 57km/h auf Asphalt, es war eine lange schmale Linkskurve in ein Örtchen herein. Dann kam erneut ein Pavé Sektor. Die Nummer 22 Quérénaing à Maing, es ging durch einen Hohlweg mit Schuss den Berg herunter 35-42km/h ,es war brutal, alles klapperte und schlug.
Plötzlich verlor ich die vordere volle Trinkflasche, ich bremste und lief über den Erdwall zurück.
Doch was war das? Mein Vorderrad klapperte hin und her.
Au Backe, der Schnellspanner hatte sich gelöst, ich hatte ihn noch am morgen kontrolliert und richtig fest gezogen. Da hat mir jemand einen Schutzengel geschickt. Das Vorderrad hing nur noch lose drin.
Durch die Ausfallsicherung an den Gabelenden, es sind zwei Nasen, wurde ein Herausfallen des Vorderrades verhindert. Der dicke Reifen und die Bremszange haben vielleicht auch noch geholfen. Ich war schockiert und auch erleichtert.
Ich knallte den Schnellspanner nun richtig fest, der Hersteller würde mich dafür schlagen.
Das sollten die Alu Ausfaller aushalten müssen.
Nun lief es geschmeidig weiter, dass Klappern war weg.

Nun hatte ich mir mittlerweile die Trikots und Rennräder der Fahrer eingeprägt welche immer wieder meinen Weg kreuzten. Ich versuchte dran zu bleiben und dort Gas zu geben wo meine Stärken waren. Das Feld dünnte sich zwischen den Pavè Sektoren zunehmend aus. Nur hinter den Pavè Zonen fuhr man noch hin und wieder an größeren Gruppen vorbei. Das Tempo hatte aber nachgelassen ich wollte nicht bummeln. Viele machten auch Pause nach den Pavè Sektoren, aber das gehörte nicht zu meinem Plan.

Entspannungsübungen konnte man während der Fahrt noch machen. Windschatten gab es dann bis kurz vor Ende eigentlich nur noch selten. Keine Gruppenbildung mehr möglich und auf den Pavès war es eh Schnuppe. Da habe ich lieber Abstand gehalten damit ich genug Sicht auf die Strecke hatte. Ein paar mal fuhr mir ein Hornochse vor die Füße, aber das ist ja Standard bei den Jedermann Geschichten.

Ein Ding habe ich noch in Erinnerung. Wir fuhren mit 30km /h in einer Reihe hintereinander auf dem Pavé es ging in eine Linkskurve. Ich hört bei meinem Vordermann die Felge schlagen.
Es musste ein Plattfuß sein. Ich rief noch von hinten „attention“ da fuhr er bereits in die Kurve und rutsche über das Vorderrad weg und überschlug sich auf dem Pflaster vor mir.
Ich konnte noch ausweichen und fragte ob er Hilfe benötigt, er lachte und rief mir was mit „pneus und ok“ zu.

Also weiter im Takt. Es ging durch unzählige Ortschaften im Zick-Zack, nur selten mussten wir anhalten, die Ordner hielten uns meist den Weg frei. Auf den Straßen kam nun der Autoverkehr hinzu und ab und zu fuhren wir gezwungener Weise Radweg. Bei Kilometer 100 um 11:30 Uhr, gab es nochmal eine Versorgungsstation in der Ortschaft Beuvry-la-Forét.
Ich kontrollierte diesmal mein Rad gründlich und siehe da, das Hinterrad war lose.
Der Schnellspanner hatte sich auch gelöst. Der bekam nun auch erst mal ordentlich Vorspannung. An meiner Lampe war die Steckverbindung durch die Rüttelei auf dem Pavé abgebrochen, auch der Akkublock rutschte nun trotz massiver Befestigung immer wieder ab.
Ich knallte alles nochmals fest.
Noch schnell ein paar Handyfotos gemacht, die Trinkflaschen aufgefüllt und gepinkelt. Die Armwärmer und das Kopftuch habe ich dann endlich auch ausgezogen, es waren bereits 20C°.
Die Beinlinge und Überschuhe wie auch das Thermoshirt musste ich anbehalten. Wohin nur mit dem ganzen Kram?

Weiter ging es über etliche Pavés die Händen brannten mittlerweile bei den Erschütterungen wie Feuer, die Hitze war heftig.
Die Speichen machten mittlerweile Geräusche als wenn sie kurz vor dem Finale wären.
Doch die Felge arbeitete richtig, die gekreuzten Speichen rieben aneinander.
Die Mavic CPX-22 mit Ultegra Nabe und 32 Speichen war die richtige Wahl.

Ich spürte eine Blase an der linken Hand, das brennen war heftig. Vor uns fuhr ein Auto auf dem Pavé wir kamen nicht vorbei, wir fluchten, irgendwann ballerten wir sehr knapp zwischen Auto und Stacheldraht auf dem völlig maroden Rändern des Pavés vorbei. Fucking-Shit-Car, es war ein Versorger, aber er nervte!

Eines der Highlights war die Fahrt vorbei an den Fördertürmen der Zeche Arenberg,
einen Zwillings Wasserturm habe ich auch noch gut in Erinnerung und viele unzählige andere schöne Gebäude und Kirchen.
Das Legendäre Pavé – Trouée d’Arenberg oder Tranchée d’Arenberg, zu Deutsch die Schneise von Arenberg, oft auch als Wald von Arenberg bezeichnet war wie angekündigt nass.
Leider durfte das erste drittel nicht befahren werden. Wir fuhren über einen Erdweg neben dem Pavé. Doch die letzten zwei drittel auf der Legende. Es war rutschig, hier war aufpassen angesagt. Nachdem mir das Vorderrad unkontrolliert abschmierte, klickte ich die linke Pedale aus. Das matschige Stück habe ich dann mit Obacht absolviert, auf dem trockenen Teil lief es dann wieder schneller. Aber es war schon knackig auf den alten Blöcken zu fahren. Kurz noch ein schneller Handyshot, es war nun 10:21 Uhr und weiter ging es.

Zum Schluss wurde es dann immer quälender, man denkt es würde kein Ende nehmen. Die Hitze von 25C° und die teilweise dicke Kleidung gaben den Rest dazu. An den letzten drei Pavé Sektoren habe ich dann nochmal Luft aus den Reifen gelassen, der Druck war sicher um 1.5 bar angestiegen, seit heute morgen. Am Anfang einer der letzten Sektoren ballerte noch ein CX mit mindestens 35mm Reifen an mir vorbei und wollte den Harten markieren. Nur auf der Hälfte des Sektors verließen dem Fahrer die Körner, ich zog vorbei. Mein Plan war konstant zu bleiben. Drei Gels und einen Proteine Riegel habe ich verbraucht auf der Strecke, alles lief nach Plan.
Ich habe es rechtzeitig bemerkt wann mein Körper Nachschub benötigte.

An roten Ampeln musste gehalten werden, wer durchrauschte der wurde disqualifiziert.
Genug Zeit also zur Erholung, es standen überall Helfer mit Trillerpfeife an den Kreuzungen und hatten auch ein Auge auf uns. Auch das hat meine Zeit etwas geschmälert wie auch zum Schluss die Rush-Hour in Roubaix, mit unzähligen Ampeln.
Dafür konnten sich 6:14 Bewegzeit sehen lassen. 6:44 war die verstrichene Zeit.
In Roubaix bin ich nachher über eine Wiese geballert, es war Stau, nichts ging mehr.
Da war dann auch meine Geduld zu Ende. Bürgersteig Wiese und Kette rechts durch die Blechlawine.

Dann in das Velodrome rein und überall jubelnde Menschenmassen „Allez-Allez-Allez“

Und ja – es jubelten uns während der ganzen Fahrt Menschen zu – Kinder mit Blumen oder Fähnchen in der Hand, auch auf den Pavés, mitten im Feld – So freundliche Menschen. „Viva la France“

Im Velodrome gab ich dann nochmal Kette und fuhr bis auf die Hälfte der Steilbahnwand hoch, meine verschmutzten Reifen rutschten leicht ab bei 30km/h.
Mit einem Bunnyhop überflog ich um 14:12 mit 37km/h die Zeitmessung.

WOW – ich hatte es geschafft.

Bei sommerlichen Temperaturen und knalleblauen Himmel. Roubaix 2018!
Am Ende des Velodroms bekam ich dann von einem hübschen Mädel die Medaille um den Hals gehangen, sie gratulierte mir.

Roubaix-Roubaix-Roubaix !!!

Am liebsten hätte ich noch ein paar Runden durchs Velodrome gedreht vor Freude. Aber nun ging es auch nach einer Stunde Velodrome Kirmes und etlichen Fotos wieder zurück nach Busigny.

Ich fuhr durch das Montmartre von Roubaix, etliche Kilometer mit dem schweren Pokal im Versorgungsbeutel. Der Pokal ist ein Pavéstein der auf einer Holzplatte montiert ist, bis zum Eurotéléport Roubaix.

Von da aus waren es noch vierzig Minuten in der von der Sonne aufgeheizten Straßenbahn bis Lille, eine junge Frau spendierte mir ihr Wasser. Im Bahnhof Lille-Flandres angekommen ging der Zug nach Caudry erst um 18:07 Uhr.

Also Zeit genug für einen Cappuccino, eine Belgische Waffel und eine Riesen Platte Pommes mit Französischer Mayonaise + Cola zum runterspülen in einer Bude vor dem Bahnhof. So habe ich den Bahnhof Lille-Flandres inklusive dem Vorplatz auch mal erforscht. Der Anschlusszug in einem verlassenen Nest hatte eine Stunde Verspätung ich kam ins Gespräch mit den Leuten alle waren Tiefen entspannt und Nett. Wir unterhielten uns, sie gaben mir noch jede Menge Tipps was ich mir ansehen könnte und was die traditionelle Küche angeht.
Um 19:27 kam ich dann endlich in Caudry an, dort wurde ich von dem Gastgeber der Pension abgeholt.
Nachdem ich mein Auto abgeholt hatte und das Rennrad untergestellt hatte. Ging es erneut nach Caudry um 22 Uhr war fast alles geschlossen. Ich hatte einen Bärenhunger. Als ich an einer Pizzeria die Türe öffnete sagte man mir, dass Restaurant sei in drei Minuten geschlossen.
Dann fragten sie mich ob ich Rad gefahren sei? Ich hatte immer noch die Klamotten an. Der Pizzabäcker war aus Italien und hörte begeistert zu, sie luden mich auf eine Cola ein und ich erzählte meine Story über die Tour, er backte mir noch eine Pizza Neapolitan, die war der Hammer und schmeckte so gut wie seit langen keine Pizza mehr.
Die Rückfahrt war anstrengend, aber…

ich habe mich mit den Franzosen so dermaßen gut unterhalten, dass es mir gar nicht auffiel wie die Zeit verging.

Es war ein Erlebnis !

Und ja gerne wieder. !

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Weiterhin gute und unfallfreie Fahrt!

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